Musisches Gymnasium

Beratung

1: Intervention bei Ausgrenzung | 2: Schulpsychologie | 3: Schullaufbahnberatung | 4: Informationspool | 5: Krisenpädagogik | 6: Verbindungslehrer

       

Intervention bei Ausgrenzung

Im Zusammenhang mit der Verabschiedung unserer ehemaligen Schulleiterin Frau Duetsch zum Ende des vergangenen Schuljahres ist viel vom speziellen „Camerloher-Geist“ die Rede gewesen – diesem Geist des Miteinanders, des respektvollen Umgangs, der wohlmeinenden Akzeptanz und der gegenseitigen Wertschätzung. Dies ist bestimmt der Grundtenor, der unsere Schule trägt und sie – hoffentlich! – zu einem Stück Heimat für alle darin Wirkende werden lässt.

„Der Himmel auf Erden?“ – Nein, den gibt es leider nicht einmal am Camerloher, und wünschte man ihn sich, so könnte er doch nur ein Zerrbild der Wirklichkeit sein. Überall, wo Menschen zusammenleben, kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, Konflikten, Auseinandersetzungen. Im täglichen Miteinander werden Menschen in diesen Situationen angeleitet, die eigene Meinung zu hinterfragen, zum eigenen Standpunkt zu stehen oder diesen im Sinne einer Kompromissorientierung und zum Wohle der Gemeinschaft zu modifizieren. Dies gelingt in Konfliktsituationen, in denen sich die Widersacher auf gleicher Augenhöhe befinden und der Streitpunkt offen ausgetragen wird.

Anders verhält es sich jedoch bei Fällen von Ausgrenzung, in welchen eine oder mehrere Personen systematisch und über einen längeren Zeitraum hinweg durch verdeckte Aktionen aus einer größeren Gruppe verdrängt werden sollen. Diesen Prozess bezeichnen Psychologen als Mobbing. Verstärkt wird dieser durch ein Kräfteungleichgewicht: Die verdrängende Person wird oftmals durch Mitläufer unterstützt, die gemobbte Person kann sich allein nicht zur Wehr setzen, geschweige denn den Prozess stoppen. Gerade diese Rollenfestschreibung und die ungleiche Machtverteilung erfordern das Handeln von unbeteiligten Dritten.

In Absprache mit unserer neuen Schulleiterin Frau Bliese wollen wir als Beratungsteam bei Fällen von Ausgrenzung an unserer Schule nach der im angelsächsischen Raum evaluierten Methode „Shared Concern“ intervenieren. „Shared Concern“ kann mit „geteilter Betroffenheit“ übersetzt werden und das ist auch die Grundidee dieses lösungsorientierten Ansatzes. Die Problembetrachtung ist bei dieser Methode ausschließlich darauf gerichtet, wie die schwierige Situation behoben werden kann, indem Schüler lernen, verschiedene Standpunkte einzunehmen und Empathie füreinander zu entwickeln. Die besondere Faszination und gleichzeitig große Herausforderung liegen darin begründet, dass auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet wird. Es geht vielmehr darum, die Gruppendynamik zu verändern und so Schülern aus ihrer ehemals fest zugeschriebenen Rolle, mag es die des mobbenden oder des gemobbten Schülers sein, zu helfen.

Natürlich hoffen wir, dass diese Methode nicht zum Einsatz kommen muss. Wo allerdings Handlungsbedarf besteht, wollen wir hinschauen und tätig werden – und zwar so schnell wie möglich. Dies ist nicht nur ein Gebot der Fairness und des Mitgefühls, sondern auch ein wichtiges Ergebnis aus der Mobbing-Forschung: Je früher eingegriffen und das System offen gelegt wird, desto größer sind die Chancen, alle Beteiligten vor größerem Schaden zu bewahren. Denn, und dies ist unser größter Wunsch, das Camerloher soll für unsere Schülerinnen und Schüler ein Lebensraum sein, in dem sie sich wohl und angenommen fühlen.

 

Silke Hatzinger, Beratungslehrerin

Sophia Thaller, Schulpsychologin